Rockakademie OWL

„Dieser Raum war bis vor kurzem der hässlichste den man in ganz Herford finden konnte.“ Mit diesen Worten beschreibt Carlo Dewe seinen Arbeitsplatz, während sich Neuankömmlinge noch verwundert umschauen. Eben noch auf dem eher grau-tristen Flur der Herforder Volkshochschule, jetzt mitten in einem Zimmer, das auch auf Experimente mit einer Zeitmaschine hinweisen könnte.

Hier scheint die Einrichtung eines amerikanischen Diners mit Omas altem Wohnzimmer in Konkurrenz zu stehen. Gepolsterte Plastikstühle stehen auf alten Perser-Teppichen, ein Telefon in der Form eines Frauenschuhs wird beleuchtet von Lampen mit Glas-Mosaik-Schirmen. Schwarz/Weiss-Fotos von Auftritten einer Oldie-Band hängen direkt unter kunstvollen Graffitis. Bei diesem Zimmer handelt es sich um die Räumlichkeiten der „Rockakademie OWL“. Und in seinem jetzigen Zustand kann man wohl kaum davon sprechen, dass es sich dabei überhaupt um einen hässlichen Raum handeln würde. Sogar die Vorstellung wirkt abwegig.

Rockakademie-OWL

Eine ähnliche Verwandlung will Carlo Dewe, der Kopf der Rockakademie, in der Ostwestfälischen Musikszene für junge Nachwuchsmusiker in Gang setzen. „Bislang“, berichtet er, „wissen viele begabte Nachwuchs-Bands nicht, an wen sie sich wenden sollen, um an Auftritte zu kommen. Der Mangel an geeigneten Proberäumen ist groß. Und Kommunikation zwischen den einzelnen Szenen oder zwischen einzelnen Landkreisen findet nahezu überhaupt nicht statt.“ Genau gegen diese Mißstände kämpft der Musiker und promovierte Pädagoge seit letztem Jahr hauptberuflich unter dem Namen „Rockakademie OWL“.

Und weil er das selbstverständlich nicht ganz ohne Unterstützung schaffen kann, hat das Land Nordrhein Westfalen beschlossen, ihn und sein Projekt zu fördern. Sein Ziel ist, eine Art von Kontaktbörse für ganz Ostwestfalen aufzubauen. Dann könnten sich engagierte Nachwuchs-Musiker den richtigen Ansprechpartner für ihr Anliegen einfach aus einem Verzeichnis heraussuchen.

Bislang ist es schwierig überhaupt jemanden zu finden, der an der richtigen Stelle die richtigen Auskünfte geben kann. Andersherum gesehen ist es für Förderer und Musikinteressierte genauso kompliziert, talentierte und förderbedürftige Gruppen auszumachen, da man meistens nur durch gute Beziehungen und Glück an Auftritte oder Adressen kommen kann.

Dass sich das Engagement von Carlo Dewe nicht nur auf Rockmusik beschränkt, versteht sich von selbst. Schließlich ist Musik auch dazu da, seine eigenen Grenzen zu erweitern, und in den Augen von Carlo Dewe hat jede Stilrichtung ihre Existenzberechtigung. Nicht zuletzt aus diesem Grund hat er, obwohl er selbst eher eine Vorliebe für Oldies hat, vor einiger Zeit damit angefangen sich mit neuerer Musik wie zum Beispiel HipHop auseinander zu setzen. Was an und für sich, für einen Mann Ende Vierzig schon beachtenswert genug ist.

Ein weiteres seiner Vorhaben für die Zukunft ist es, neben dem Aufbau des Kontaktforums, eine Beratungsstelle zu schaffen, die jugendliche Musiker über die rechtlichen Grundlagen ihres Handelns informiert. In Form von Workshops zum Beispiel möchte er gerne darauf aufmerksam machen, welche Haftungsansprüche ein Veranstalter nach Auftritten gegenüber den Gruppen erheben kann, oder erklären, wie man sich eigentlich die Rechte an eigenen Liedtexten sichern kann, damit sie später nicht irgendjemand anders für seine eigenen Zwecke nutzen kann, ohne den Songschreiber an seinem Umsatz zu beteiligen.

Besonders interessant für Schüler wird ein neues Projekt der Rockakademie, das noch in diesem Jahr seine Umsetzung finden soll. Der Kern der Sache wird das „Rockmobil OWL“ sein. Dieses Auto, ausgestattet mit allem, was eine Band an Instrumenten und Technik braucht, soll in Zukunft an Schulen in der ganzen Region Jugendliche dazu animieren, selbst Musik zu machen, ihr Wissen zum Thema zu erweitern und mit Musik in der Schule mehr zu verbinden als nur Bach oder Beethoven.

Umsetzen will Carlo Dewe das gemeinsam mit den Musiklehrern der einzelnen Schulen und auch Musikern, die er selbst mitbringt. Und damit das Ganze nicht wie im regulären Musikunterricht abläuft, sollen alle interessierten Schüler die Möglichkeit bekommen, Instrumente selbst auszuprobieren, ihr Können unter Beweis zu stellen oder bei Fragen den Rat der Mitarbeiter der Rockakademie einzuholen.

Eine derzeit zwar noch ferne, aber nicht unrealistische Vision des Rockakademie Gründers ist es, den begabtesten Jugendlichen eine besondere Förderung zu kommen zu lassen und später eine „OWL-Band“ der besten Musiker der Region aufzubauen. Es gibt wohl nur wenige, die sich dabei nicht an populäre Castingshows aus dem Fernsehen erinnert fühlen.

Im Moment steht das Projekt „Rockakademie OWL“ noch in seinen Startlöchern, doch wenn Carlo Dewe seine Wünsche und Vorhaben erst einmal vollständig umgesetzt haben wird, wird seine Arbeit die Chancen und Möglichkeiten von jungen Bands und Musikern in Ostwestalen entscheidend verbessern.